Mopedtour in Tana Toraja

07.11.2013

Der Hahn krähte, ich war schon wach! Es fing eigentlich an, wie immer. Heute hatte ich mir einen letzten Ausflug ins Torajaland vorgenommen, dieses Mal allein und auf dem Moped. Dazu fehlte mir noch ein frühstück und natürlich das Moped. Die Tage davor hatte ich aber schon einen Verleiher ausfindig gemacht, dessen Fahrzeuge einigermaßen vertrauenerweckend aussahen.

Reisfelder Reisfelder

Feld und Wald Feld und Wald

Ich ging zu ihm ums Eck, die Entfernungen sind hier wahrlich nicht groß, und fragte nach einem kleinen Moped für mich. Eines hatten sie (noch) da. Gut so neu wie die anderen, die ich vorher gesehen hatte, sah es nicht aus. Es war kein Automatikroller, ich war aber von der Schwalbe das Schalten noch gewöhnt. Beim Probieren merkte ich dann, dass eine 80er doch etwas mehr Zug hatte und das Schalten etwas hakelig vor sich ging.

 

In den Bergen
In den Bergen

Kaffeeblüten
Kaffeeblüten

Kaffekirschen
Kaffekirschen

Nach einer kurzen Weile kam ich aber doch damit zurecht und war über die paar mehr PS sehr froh. Der erste Stopp war ein Tankstopp. Ich füllte nach Gefühl eine Colaflasche Sprit ein und fuhr weiter Richtung Süden. Ich wollte noch ein paar Dörfer ansehen, die etwas ab vom Schuss waren.

Es ging vorbei an Kete Kesu durch ein Tal mit Reisfeldern immer weiter in die Berge. Es war ein sehr schönes Tal und jeder winkte mir zu – kein Wunder als 1,90 m großer Europäer auf einem Moped, das für 1,60 m große Asiaten ausgelegt war. Außerdem schienen sich hierher wenige Touristen hin zu verirren. Der Anstieg in die Berge kündigte sich durch ein schlechter werden der Straße unmittelbar an und es ging in Serpentinen nach oben. Irgendwann fand ich mich auf einer Schotterpiste mit deutlichen Spurrinnen wieder. Auf der anderen Seite ging es dann aber schon wieder steil runter und ich wusste nicht, ob ich nicht ein wenig zu weit vom Ziel abkam. Ich machte erst einmal eine Fotopause und genoss die frische Luft, die Kaffeeplantagen und die Aussicht.

Kaffee Kaffee

Blick ins Tal Blick ins Tal

Tana Toraja Tana Toraja

Mein Moped Mein Moped

Zurück im Tal ging es zu bekannten Felsengräbern bei Lemo, die zwar klein sind aber sehr sehenswert. Man kommt von einer kleinen Anhöhe herunter und siegt dann, wie einen die Tau Tau (die geschnitzten Abbilder der Toten) ansehen. Gegenüber gibt es noch einen kleine Pfad nach oben, wo man an weiteren Gräbern zu einem Bambushain kommt – ein schöner kurze Spaziergang. Bevor ich ging, ließ ich es micht nehmen, meinen einzigen indonesischen Geocache „Tau Tau“ zu suchen, der sehr gut versteckt war. Durch die Lage konnte ich aber gut eine Pause im Schatten vortäuschen, wenn jemand vorbei kam.

Ich besichtigte im Süden noch ein paar Dörfer und die fahrt führte mich langsam in Richtung der Begräbniszeremonie. Ich hatte gehört, dass es im Dorf Flughunde geben sollte. Vorbei am Stau der Beerdigungsgäste fuhr ich ins Dorf und las nochmals meine Beschreibung, begab mich etwas weiter in die Berge und sah… keine Flughunde… Entweder ich kam mit der Beschreibung nicht klar oder die Flattermänner waren wo anders. Schade, dann halt weite in den Bambuswald, durch den wir vorgestern kamen.

Golden Cow
Golden Cow

Berge und Reis
Berge und Reis

Da geht\'s lang
Da geht’s lang

Tana Toraja
Tana Toraja

Auf der Strecke zurück merkte ich, dass eine Colaflasche für die ganze Tour etwas zu optimistisch geschätzt war. Das Benzin ging aus und ich war mitten in der Pampa. Nun in welche Richtung sollte ich schieben und rollen? Ich entschied mich, den Weg zurück zu nehmen, mir war so, als hätte ich da was gesehen. Auf dem Weg fragte ich die kichernden Passanten, die mir bedeuteten, dass ich die richtige Richtung einschlug. Ca. nach 20 Minuten kam ich dann endlich an einem Haus vorbei. Die Tochter sah mir mein Dilemma auch gleich an und siehe da, es gab Benzin und leere Flaschen. So konnte mein Gefährt wieder getankt werden. Nach Bezahlung verabschiedeten wir uns freudig winkend.

Nun ging es wirklich zum Bambuswald. Die Abzweigung konnte ich schnell finden und die Straße war tatsächlich so klein und kurvig, wie ich sie in Erinnerung hatte. So machte das Fahren richtig Spaß: kleine, verwinkelte Straße durch schöne Landschaft und ohne viel Verkehr. Durch den dichten Wald kommend, merkte ich nicht, dass der Himmel offensichtlich langsam zu zog. Ich machte ein paar Fotos und fuhr dann weiter in Richtung Rantepao – zumindest meinte ich das.

Das Dorf
Das Dorf

Felsengrab
Felsengrab

Grab mit Aussicht
Grab mit Aussicht

Toraja Haus
Toraja Haus

Kurz nachdem ich auf der Hauptstraße war, brach auch direkt ein Wolkenbruch über mich herein. Zum Glück war links gleich ein unterstand. Ich wünschte mir ein Auto… Immerhin stand ich nun trocken und war auch in guter Gesellschaft von anderen vom Regen Überraschten. Etwa eine Stunde konnte ich das Geschehen an der gegenüber liegenden Haltestelle beobachten, wie die offenen Transportmittel mit Planen, Schirmen, Regenjacken und Teppichen nach oben abgeschirmt wurden, dann ließ es nach und ich schwang mich wieder aufs Moped.

Es hörte tatsächlich auch ganz auf, nur wunderte ich mich, warum die Bebauung eher weniger wurde als mehr. An der Brücke kurz vor dem Beerdigungsdorf bemerkte ich dann meinen Irrtum: Mist, falsche Richtung! Also drehte ich um und sah, dass die Wolken in diese Richtung schon wieder deutlich dunkler waren. Immerhin erwischte mich der Regen erst wieder kurz vor Abgabe des Zweirads.

Felsengräber
Felsengräber

Gräber im Berg
Gräber im Berg

Überall Reis
Überall Reis

Da schauen wieder welche
Da schauen wieder welche

Bei der Abgabe lernte ich dann noch zwei witzige Tyen (aus USA und Deutschland) kennen, die mit dem Fahrrad um die Welt unterwegs waren und nach einer Übernachtung in Rantepao suchten. Wir unterhielten uns kurz und ich beschrieb ihnen den Weg zur bekannten Backpacker Unterkunft. Die Armen (sind sie das?) mussten den Regen auf dem Rad über sich ergehen lassen. Ich ging erst mal ins Hotel. Da ich schon ausgecheckt hatte, wusch ich mich notdürftig im Bad der Lobby und zog mich um – naja besser als gar nicht. Ich machte es mir ein Wenig bequem und ging dann noch durch die Stadt, um ein paar Mitbringsel zu besorgen. Zu Kaufen gab es reichlich, die Qualität war auch sehr gut, die Preise entsprechende nicht ganz billig… Später ging ich in das von den Kanadiern empfohlene Restaurant, war aber nicht so begeistert. Es war eigentlich ein Fast Food Restaurant für Einheimische und die Portionen waren überschaubar.

Dichter Bambuswald
Dichter Bambuswald

Moped im Wald
Moped im Wald

Bambus
Bambus

Pfad
Pfad

Nachdem ich noch die restliche Zeit vertrödelt hatte ging ich zum Bus und war hier echt begeistert! Riesige Sitze, die man komplett flach legen konnte, saubere Kissen und Decken, ein echtes fahrendes Hotel. So lässt es sich doch gut reisen…

Um 22:00 Uhr pünktlich machte sich der Bus auf den Weg. Natürlich konnte ich nicht besonders gut schlafen, das kann ich aber nie in Transportmitteln. Es lag eine lange Tour vor mir: Bus Rantepao-Makassar, Flug (noch nicht gebucht) Makassar-Manado, Minibus zum Busbahnhof, Bus Manado-Bitung, irgendwas von Bitung nach Batu Putih, was geschätzt eine Reisedauer von etwa 16 Stunden macht, wenn alles klappt.